Samstag, 6. Juli 2019

Tag 7: Bad Aibling - Hallbergmoos

Eine Woche geht viel zu schnell vorbei. Da hat man sich gerade an seine Mitradler so richtig gewöhnt, dann heißt es auch schon wieder Abschied nehmen.
Vorher stand aber aber noch einen Tag Radfahren durch Oberbayern auf dem Programm. Knapp 80 Kilometer in leicht hügeligen Gelände waren zu bezwingen. Kein Problem für uns, wir haben ja schließlich bereits die Alpen überwunden. War dann aber doch nicht ganz so einfach, was wohl daran lag, daß bei unserem 'Tete de la course' Team wieder die Endorphine ins Blut geschossen sind und sie wieder mal mit Karacho durch die bayerische Landschaft ballerten. Ich mit dem Giga Bummel-Team wie immer gemütlich hinterher.

In Markt Schwaben, dem letzten Ort vor dem Sammelpunkt zur Gruppenfahrt haben wir sie dann zum Lunch wiedergetroffen. Endlich gab es Kaiserschmarrn, darauf habe ich mich sieben Tage gefreut. :-)
Dann war es endlich soweit. 400 Radler sammelten sich zur abschließenden Gruppenfahrt über 15 Kilometer. In gemächlichen Tempo und mit Polizeibegleitung zum Absperren der Kreuzungen ging es dann mit lauter Musik, lachenden Gesichtern und überall die Flaggen der Teilnehmer am Rad oder umgehangen zu unserem Ziel.

Im Ziel wurden zunächst noch ein paar Ehrungen vorgenommen, bevor es dann an die Verkündung der diesjährigen gesammelten Spenden ging. Über 300.000 € wurden von den Teilnehmern eingesammelt, die die Hilfsprojekte in den einzelnen Ländern unterstützen. Gefeiert wurde das stellvertretend von allen Country Champions der Teilnehmerländer.
Und zum Schluß verkündete der Tourdirektor Michael Leuenberger die Strecke für die GBI Europe 2020 im nächsten Jahr. Dann werden wir mal wieder ein wenig näher nach Hause rücken und von Amsterdam durch die Niederlande, Belgien, Luxemburg bis nach Frankfurt am Main radeln.


Freitag, 5. Juli 2019

Tag 6: Innsbruck - Bad Aibling

Jeder kennt bestimmt diese Tage, an denen man aufwacht und denkt, der Abend vorher hätte man nur geträumt. War aber leider nicht. Nach exakt 2:30 Stunden wurde ich durch die allgemeine Camp-Wuseligkeit aus meinen Träumen gerissen. Meine leichten Balanceprobleme schrieb ich der Müdigkeit zu und begab mich zur Nahrungsaufnahme, begrüsst von Kumpel Chris, der eine ähnliche Nachtbiografie hatte wie ich. Aber wie sagten schon die alten Römer: Wer abends saufen kann, kann auch morgens radfahren! Und schließlich ging es ja ganz entspannt den Inn hinunter. Allerdings für 135 Kilometer. Aber nach den ersten Kilometern belebte sich mein Organismus ganz allmählich wieder und ich konnte den Tag wirklich geniessen. Nur das regelmäßig Gähnen erinnerte mich noch an die Nacht vorher. Und ich versprach mir beim Heiligen Paulaner, dem Schutzpatron der Nachtschwärmer und Hopfenjunkies, daß ich heute früher in die Koje gehen würde. War allerdings bei dem Benchmark auch nicht allzu schwierig. Aber man weiß ja nie!
Wie bereits am Vortag ergab sich bereits nach einigen Kilometern wieder ein hektisches Gewimmel an der Spitze und die Helden der Landstrasse rasten wie von der Tarantel gestochen den Inn entlang. Zwischendurch haben wir sie zwar noch einmal zum Kaffeepäuschen gefunden, aber danach waren sie wieder bis zum Camp entschwunden.
Spätestens an der deutsch-österreichischen Grenze habe ich mal wieder die Vorzüge der EU erkannt. Obwohl es keine Grenzkontrolle auf der Landstrasse hinter Kufstein gab, mußten die Nicht-Europäer alle ihre Pässe mitnehmen. Aber die Grenzschützer hätten sicherlich auch Augen gemacht, wenn plötzlich gruppenweise potentielle Flüchtlinge aus dem Arabischen Raum auf 10000 € teuren Rennmaschinen einreisen wollten.
Der letzte Teil unserer Etappe führte uns am Fluss Mangfall entlang. Eine glückliche Fügung oder einfach nur keine Lust mehr zum Radfahren ließ uns an einem Zugang zum Fluss anhalten und eine kleine Planscheinheit im gar nicht sooo kalten Fluß einlegen.
Nach einem weiteren Stopp beim besten Eiscafe in Bad Aibling ging es dann zu unserem Camp, das auf dem Gelände einer ehemaligen amerikanischen Fliegerbasis lag. Und in Sichtweite reckten sich riesige Golfbälle in den Abendhimmel, die eine militärische Abhöreinrichtung vor interessierten Blicken schützten.
Der Abend wurde vom langjährigen GBI-Sponsor Addmore ausgerichtet. Neben Freibier aus der lokalen Brauerei Maxlrain gab es noch ein kulturelles Highlight. Die Trachten-Musikgruppe 'Willinger Musi' spielte zunächst klasssche bayrische Bierzeltmusik, immer unterbrochen vom obligatorischen 'Ein Prosit, ein Prohosit, der Gemüüühtliiiiichkeiiiiit". Als weitere Programmpunkte trat eine lokale Peitschensportgruppe auf. Bei uns in Deutschland lässt man sich ja nur in leicht anruchigen Etabilisments auspeitschen, in Bayern ist das Volkssport! Dachte ich. War aber nicht so. Sondern ganz anders. Die Jungs haben mit ihren Peitschen zum Klang der Tuba und des Akkordeons eine phantastische Performance hingelegt. Und nicht nur die vielen ausländischen Radler waren hin und weg.

Später wurden noch moderne Stücke von ABBA, Village People, etc. traditionell mit Trompete und Tuba interpretiert, was aber der Stimmung keinen Abbruch tat und ganz im Gegenteil für einen unvergesslichen Abschlussabend sorgte, der sicherlich in die Geschichte denkwürdiger GBI-Ereignisse eingehen wird.

Tag 5: Brixen - Innsbruck

Auf geht's zum Brenner! Heute war erstmal gaaaaanz lange Bergauffahren angesagt. Von Brixen ging es zunächst nach Sterzing, dem Tor zum Brenner. Durch herrliche Gebirgslandschaften, leider viel zu häufig durch die hässliche Brennerautobahn im schmalen Eisacktal verschandelt, fuhren wir kontinuierlich nach oben. Unser Giga Power Team wurde heute noch durch einen Nachzügler ergänzt, der noch mächtig Power in den Haxen hatte, und sich nach ein paar Kilometern direkt mit ein paar anderen Heißdüsen zu einer Ausreissergruppe formierte und die GBI Europe scheinbar als Mannschaftsbergzeitfahren interpretierte. Jedenfalls ist das Giga Bummel-Team, wie wir  fortan genannt wurden, in angemessenem Tempo bis Sterzing gefahren, um dort in einem Eiscafe einzukehren, und die zwischenzeitlich verlorenen Kalorien dem Körper wieder zuzuführen.
Auf der Weiterfahrt durch Sterzing trafen wir, nicht ganz unerwartet, zahlreiche andere GBI-Radteams, die diesen süßen Ort als letzte Rastmöglichkeit vor dem Pass nutzen wollten.
Als wir endlich am Brenner angekommen sind, war unsere Fasttrack-Kollegen bereits wieder uneinholbar auf dem Weg nach Innsbruck. Meine Teamorder 'Wir treffen uns am Gipfel' wurde also erfolgreich ignoriert. Vielleicht sollte ich noch etwas an meiner Rethorik feilen...
Wer jetzt dachte, die Bergspitze ist erreicht und jetzt geht es bis Innsbruck nur noch bergab (also so wie ich), der hat die Rechnung leider ohne den Wirt (bzw. in unserem Fall den Track) gemacht. Nach einer zunächst schönen Abfahrt und kurzem Lunch in Matrei, wo wir unsere Freunde vom maltesischen Team Luzzu Lovers (wer Interesse hat kann ja mal nach Luzzu googlen) getroffen haben, ging es entlang der Hänge des wunderschönen Wippachtals beständig bergauf und bergab. Ich war froh, als endlich die Bobbahn in Igls in Sicht kam und damit eine rasante Talfahrt begann. Aufgrund akuter Unlustigkeit haben wir uns die eigentlich für Track 2 vorgesehen Schleife von ca. 20 km gespart, da wir morgens vom GBI-Sponsor Couchbase auf ein Abendessen in Innsbruck eingeladen wurden und rechtzeitig im Camp sein wollten.
Unser Camp heute stand in der Innsbrucker Olympiaworld, wo bereits zu den zwei vergangenen Winterolympiaden in Innsbruck Sportwettkämpfe ausgetragen wurden. Das direkt neben uns eine Kirmes aufgebaut worden war, wäre allerdings wirklich nicht nötig gewesen.
Nach einem sehr leckeren Abendessen im Lokal Bierwirt stand eigentlich nur noch ein Spaziergang zum Camp und anschließendes Schlafengehen auf dem Programm. Allerdings blieben wir zu dritt noch am Touroffice hängen, wo der GBI-Engel Anja Rotwein offerierte, wem wir uns nicht wiedersetzen konnten. Als spät in der Nacht noch die halbe Truppe von Addmore ins Camp kam und uns Gesellschaft leistete, wußte ich, daß dieser Abend böse enden würde. Und ich wurde nicht enttäuscht! Als ich schließlich in meinen Schlafsack gekrochen bin und ein letzten Blick auf die Uhr warf, war es 3:20! Na dann mal gute Nacht.

Mittwoch, 3. Juli 2019

Tag 4: Trento - Brixen

Und noch ein Tag in den Alpen! Heute war Königsetappe angesagt. Über 140 km und 2700 Höhenmeter warteten auf ihre Bezwinger. Nach der mittlerweile fest etablierten Morgenprozedur, bestehend aus:
- geweckt werden durch Dutzende noch im Halbschlaf herumtapernde Campschläfer
- kurze Katzenwäsche
- Camp-Frühstück in der Morgensonne
- Fahrrad unter 400 anderen finden
- Getränke aufnehmen und Team suchen
ging es erstmal auf den ersten flachen Abschnitt entlang der Etsch bis Bozen. Entweder waren wir so früh oder so flott unterwegs, jedenfalls war der Nutritionstand an der Etsch noch gar nicht in Betrieb genommen worden. Dank einer konzertierten Aktion ('Viele Hände - schnelles Ende') stand die Verpflegungsstelle ein paar Minuten später und wir konnten uns an frischem Obst und isotonischen Getränken bedienen und kurz entspannen.
Obwohl wir bereits die Hälfte der Distanz hinter uns gebracht haben, lagen noch 95% der Höhenmeter vor uns, eine nicht wirklich vielversprechende Aussicht, zumal für den Nachmittag Schauer angesagt waren. Und die dunklen Wolken konnten wir bereits am Horizont sehen, was uns einen schnellen Abschied vom Nutritionpoint erleichterte. Nach einem kurzen Kaffeestop einige Kilometer weiter beim Einstieg in die Berge ging es dann hinauf auf die Seiser Alm. Oben erwartete uns dann eine andere Welt mit grünen Almen, süßen Bergdörfern und kleinen, scheisse steilen Sträßchen.
Die versprochenen Regenschauer waren leider keine Fehlinformation der Gratis-Wetter-App, sondern kamen mit einem Mal mit Macht vom Himmel, so daß wir uns schnell einen relativ geschützten Ort suchten, der bereits von anderen GBI-lern getestet wurde. Nachdem der Regen keine Anstalten machte, sich zu verziehen, haben wir dann beschlossen, zum nächsten Ort, St. Anton, weiterzufahren und dort Mittagspause zu machen und auf besseres Wetter zu warten. Ein gemütliches Restaurant war schnell gefunden, auch wenn wir die warme Mittagsküche um ein paar Minuten verpasst haben. Unser Aufenthalt wurde aufgrund des zunächst nicht nachlassenden Regens und unserer Mittagsträgheit so ausgedehnt, daß wir später entschieden, trotz wieder schönem Wetters eine Abkürzung zu wählen, um viele Hundert Höhenmeter zu sparen und endlich einmal zeitig das Ziel zu erreichen. In unserem Zielort Brixen sind wir dann erstmal richtig lecker im Ort essen gegangen, statt das (wirklich sehr gute) Campessen zu geniessen. Als Nachtisch gab es dann noch eine Frozen Yoghurt, die auf Chris' praktischer Fahrradhalterung montiert werden konnte.


Tag 3: Cavaion Veronese - Trento

Heute kam der erste Tag der Abrechnung. Jetzt sollte sich zeigen, ob ich die Berge oder die Berge mich bezwungen würden.
Bereits nach 10 km ging es in den längsten Anstieg für dieses Jahr raus zum Monte Baldo. 15 km kontinuierlich mit 5-7% bergauf, und zum Schluss gab es noch ein kleines Schmankerl, das uns für die letzten Kilometer viel Freude bereitete.
Unsere Squadra Vodafone wurde bereits zu Beginn auseinander gerissen. Vorne dominierten unser maltesischer Kletterkünstler Luke zusammen mit dem Bergfloh Corinna und unserer ungarischen  Kollegin Gyöngy des Feld, während ich einige Teams an mir vorbei ziehen lassen musste, aber zumindest nicht die rote Laterne unseres Teams hatte.
Wie bei unserer letzten Alpenquerung 2015 wurde wieder ein mitreisender katartischer VIP, wohl irgendein Minister, von seinem privatShuttle bis kurz unter den Gipfel gebracht und dort auf sein Fahrrad gesetzt. Immer begleitet von einem dreiköpfigen Mediateam. Leider ging die Rechnung nicht auf, den die 19% Steigung waren für den Wüstensohn dann doch ca.  17% zu viel, so dass das Shuttle nochmal gerufen werden musste.
Nach ein paar Kilometern im welligen hochalpinen Gebiet und ohne eine Spur von unseren vorgefahrenen Teamkollegen zu finden, haben wir dann den Ausblick auf den Gardasee genossen und Kräfte für den anstehenden jetzigen Gipfel des Tages gesammelt. Das dortige Restaurant war selbstredend von GBIlern überschwemmt, und ich habe sogar Hazar, die syrische Country Champion getroffen, mit der ich in der Vergangenheit nur telefoniert oder gemailt hatte.
Am letzten Gipfel angekommen, mussten wir erst mal ein einer Vollsperrung warten, da sich wohl ein Ägyper von uns in der Konzerne mit einem Motorrad angelegt hat, und mit Heli ins Krankenhaus geflogen wurde. Zum Glück scheint er nur einen Bruch der Hand und des Kiefers zu haben. Also nochmal richtig Glück gehabt.
Der Rest der heutigen Tour verging weitestgehend ereignislos und wir erreichten unser Ziel in Trento, das ich bereits aus 2015 kannte, zeitig, so dass der ein oder andere sogar noch das benachbarte Schwimmbad nutzen konnte.

Montag, 1. Juli 2019

Tag 2: Montichiari - Cavaion Veronese

Heute sollte es zunächst Richtung Gardasee und dann über Verona nach Cavaion Veronese gehen. Und mit nur 100 km die kürzeste Etappe der Tour, abgesehen vom Schlusstag.
Wir sammelten uns zeitig morgens um 8 Uhr, um noch ein Gruppenfoto für unseren Teamsponsor zu machen. Danach ging es los und bereits nach 15 km erreichen wir den türkis leuchtenden See in Desenzano.
In Peschiera del Garda haben wir dann die perfekte Location für einen Badestopp gefunden. Eine schattige Strandbar und nur 5 Meter zum See, einfach perfekt.

Mehrere 'Seegänge' zur Abkühlung und kühle Getränke liessen uns kurzweilig zweifeln, ob wir wirklich noch nach Verona wollten, oder doch lieber länger dort bleiben würden. Letzten Endes sind wir dann aber doch nach Verona gefahren, um uns nicht vorwerfen zu lassen, die alten heissen Steine nicht angeschaut zu haben.

Abkühlung am Gardasee

Mittagspause mit tollem Blick auf und Baden im Gardasee.